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Der Morgenmantel - ein Geschenk meiner Oma

Meine Oma Schura (Koseform von Alexandra) ist leider vor 17 Jahren (2005) verstorben. Zuletzt habe ich sie in Russland, Kemerowo Gebiet, Stadt Gurjewsk im Jahr 2002 besucht, als ich zum ersten Mal nach der Auswanderung nach Deutschland in die alte Heimat fuhr. Es war ein warmes herzliches Wiedersehen, ein letztes…

Nun öffne ich meinen Schrank und betrachte mit kritischem Blick die Kleidung. Einiges muss aussortiert werden. Da hängt mein Morgenmantel, handgenäht von Oma Schura zu meinem 17.Geburtstag. Ich war gerade frisch an der Uni immatrikuliert. Auf braunem Feld sind weiße und rote Blüten, mit Spitzenrand, das Innenfutter aus Moltonwindel. Beim Anblick auf dieses Unikat kommen die Kindheitserinnerungen hoch.

Oma war handwerklich sehr begabt, hat schöne Sachen aus Stoffresten geschaffen. Heute nennt sich das Patchwork. Sie hat auch für ihre Enkelkinder Socken und Handschuhe gestrickt. Alles, was sie kreiert hat, war von endloser Liebe und Wärme geprägt. Oma hat uns einige Male im Jahr besucht, da sie in der Rente war, dafür musste sie eine Zugfahrt von 20 Stunden (ca. 990 km) nach Omsk auf sich nehmen.  Sie brachte immer was Leckeres mit: selbstgemachte Konfitüre aus Walderdbeeren, Kekse, Küchlein mit verschiedener Füllung usw., um uns ein bisschen zu verwöhnen.

Der Morgenmantel ist mir etwas eng geworden, aber das macht nichts. Er wärmt mich trotzdem, weil er immer noch die Wärme von Omas liebevollen Händen verströmt.