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Volleyballschuhe - Sport hat die Kraft Barrieren einzureißen

Meine Migrationsgeschichte ist ähnlich wie die von tausenden europäischen Studierenden und begann mit der Teilnahme an dem ERASMUS-Programm. Ein Auslandssemester hatte ich schon von Anfang an programmiert, als ich mich für den Bachelor in interkultureller Sprachvermittlung entschieden hatte. So packte ich September 2012 zum ersten Mal meinen Koffer und verließ meine Heimat Italien für sechs Monate mit dem Ziel Estland. Kaum war mein ERASMUS-Semester vorbei,  wurde mir schon klar, dass das nicht meine letzte Erfahrung im Ausland war. Während meines Master-Studiums hatte ich zusätzlich noch die einmalige Gelegenheit, als internationale Studentin in drei verschiedenen europäischen Ländern zu leben.

Abschied, Ankunft, Neubeginn – mein Studentenleben wurde von zahlreichen Umzügen geprägt. Alle sechs Monate das gleiche Spiel: sich von den Freund:innen verabschieden, Koffer packen, neue Wohnung finden, sich woanders einleben. So gewöhnt man sich schnell daran, minimalistisch zu leben, um nicht zu viel Gepäck ständig rumschleppen zu müssen. Einerseits eine pragmatische Maßnahme, anderseits bedeutet das aber auch, dass viele Gegenstände, die nicht nahezu täglich zum Einsatz kommen, entweder im Kinderzimmer in der Heimat bleiben oder am Ende des Semesters verschenkt werden müssen.

Zusammen mit ein paar Bildern und Postkarten, die einzigen „überflüssigen“ Objekte, die mich vom Anfang an immer begleitet haben, sind meine Volleyballschuhe und ein paar Knieschoner. Ich kann nicht wirklich erklären, wieso ich sie das erste Mal überhaupt eingepackt habe, Volleyball ist vielleicht nicht die erste Freizeitaktivität, die man mit einem Wintersemester in Estland assoziieren würde. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass diese Gegenstände eine doppelte Bedeutung hatten.

Die Volleyballschuhe und die Knieschoner symbolisieren eine vertraute Routine, die mich in den Jahren immer begleitet hat, seitdem ich mit 8 an meinem ersten Volleyballtraining teilgenommen habe. Eine Routine, die aus einer gesunden Balance von Unterricht, Hausaufgaben, Freizeit und Training besteht und mir hilft, meinen Alltag effizienter zu organisieren. Gleichzeitig sind sie auch eine stetige Erinnerungshilfe, in der sportlichen Hinsicht aktiv zu bleiben, und ein wichtiger Ansporn, neue soziale Kontakte zu knüpfen. Sport – und besonders Mannschaftsport – hat die Kraft, Barrieren zwischen Menschen einzureißen: Egal woher man kommt, jede:r kennt die Regeln und ist mit den Abläufen vertraut, alle kommen zum Training mit dem gemeinsamen Ziel, Spaß beim Spielen zu haben. Die kulturellen und sprachlichen Hindernisse fallen und man kann sich als Italienerin auch in den estnischen, deutschen und holländischen Sporthallen wie zu Hause fühlen.